Montag, 28 Oktober 2019 17:44

Der Aufstieg des Lukas Kleckers

Geht es um junge, aufstrebende Talente im Sport, dauert es immer ein wenig, bis sich ihre Leistungen auch außerhalb ihrer Sportart bemerkt machen. So war es mit Emanuel Buchmann nach seiner starken Tour de France im Sommer oder mit Konstanze Klosterhalfen nach ihrem persönlichen Erfolg bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha, über den nicht nur der General Anzeiger Bonn berichtete.

Gleiches gilt auch für Lukas Kleckers, der sich im vergangenen Jahr anschickte, die Welt des Snookers zu erobern und nun zurück auf der German Snooker Tour ist. Wir werfen einen Blick auf den Weg des Essener Snookertalents.

Vom Crowdfunding zum Trainingscamp

Es ist schon erstaunlich, dass sich in Deutschland, fernab der großen Snooker-Hochburg auf der britischen Insel ein regelrechter Boom etablieren konnte. Seit Jahren überträgt Eurosport den vermeintlich „eintönigen Kneipensport“ und erzielt damit neuerdings immer größere Erfolge – und das lange Zeit ohne deutsches Aushängeschild. Doch seit etwa vier Jahren schickt sich ein junger Maschinenbaustudent aus Essen an, dies zu ändern. Nach anfänglichen Erfolgen sorgte Lukas Kleckers 2015 für Aufsehen, als er ein Crowdfunding-Projekt startete, um sich die Reisen zu internationalen Turnieren oder Trainingscamps finanzieren zu können. In diesem Jahr nahm er auch erstmals an der Q-School, einem Amateur-Qualifikationsturnier für die Snooker Main Tour, teil. Hier schied er in der dritten Runde aus und verpasste die Teilnahme an der Profirunde. Den Grand Prix in Berlin hingegen konnte er für sich entscheiden. Bei der folgenden Europameisterschaft kam er zudem bis ins Halbfinale. Zum Abschluss des Jahres erreichte er als erster Deutscher überhaupt das Halbfinale der Amateur-Weltmeisterschaft, musste sich hier allerdings dem späteren Weltmeister Pankaj Advani geschlagen geben.

Aufstieg in die Main Tour

Als bester deutscher Spieler wurde Kleckers 2016 zur WM-Quali eingeladen, verlor hier allerdings in der ersten Runde gegen Rory McLeod. Da er im Sommer bis ins Halbfinale der U21-Weltmeisterschaft vorstieß, musste mit dem Paul Hunter Classic eine Teilnahme an einem Main Tour Event absagen.

Im Mai 2017 gelang ihm dann endlich der Durchbruch, als er sich über die Q-School für die Snooker Main Tour qualifizieren konnte. Bereits sein erstes Turnier auf diesem Level konnte er für sich entscheiden und erhielt somit den Profi-Status für die kommenden beiden Jahre. In seiner ersten Profisaison 2017/18 sorgte er unter anderem für Aufsehen, als er bei den Riga Masters den Titelverteidiger Neil Robertson aus dem Turnier warf. Zwar sollte dies in der ersten Saison sein einziger Erfolg auf der Main Tour bleiben, allerdings konnte er hier gegen namhafte Gegner wichtige Erfahrung sammeln. Darunter waren unter anderem Gary Wilson, Michael White oder Ronnie O'Sullivan, der bei den kommenden Masters mit einer Quote von 4,00 der Favorit bei den Snooker Wetten ist (Stand 28.10.). Allerdings gelang ihm ausgerechnet gegen den Superstar mit einem 137-er das bisher höchstes Break seiner Karriere.

Auf dem Weg zur Elite – und zurück

Nach einer durchwachsenen, aber lehrreichen Debütsaison, die er auf dem 129. Platz der Weltrangliste beendete, ging Kleckers zweite Profisaison 2018/19 erfreulicher los. Bei den Riga Masters 2018 erreichte er die Runde der letzten 32 und sprang erstmals unter die Top-100. In der Qualifikation für die World Open 2018 unterlag er nur knapp dem amtierenden Weltmeister Mark Williams. Auch bei den anderen großen Turnieren musste er weiterhin Lehrgeldzahlen, so kam er beim Hürth Classic, den English Open oder den German Masters nie über die dritte Runde hinaus. Anfang des Jahres erzielte er mit dem Erreichen der Runde der letzten 32 bei den Welsh Open sein bisher bestes Ergebnis bei einem Ranglistenturnier. Zwar erreichte er beim Snooker Shoot-Out ebenfalls noch die Runde der letzten 32, allerdings blieb er bis zum Ende der vergangenen Saison sieglos. Damit rutschte er auf den 111. Platz der Weltrangliste ab und verlor nach zwei Jahren seinen Profistatus auf der Main Tour. Nun darf er aber wieder bei der Deutschen Meisterschaft teilnehmen, was Teilnehmern der Main Tour untersagt ist. Auch bei der GST war er dieses Jahr erfolgreich. Dass er allerdings zurück ins große Geschäft will, ist klar. Ein Weg dorthin könnte der über die Challenger-Tour erfolgen, wo er in Brügge zuletzt das Halbfinale erreichte.

Sollte Klecker nach dieser zehn Turniere andauernden Serie den ersten Platz belegen, würde er sich automatisch für die kommende Main Tour qualifizieren. Die nächsten acht Spieler bekommen dann die Möglichkeit, über ein Play-Off-Modus ein Ticket für Main Tour zu ergattern. Vielleicht ist Lukas Kleckers ja dann wieder mit von der Partie.