Dienstag, 14 Juli 2020 16:39

Der Sport der Gentlemen am grünen Tisch: Snooker rückt in den Mainstream

Snooker bezeichnet eine besondere Variante des allgemein bekannten Billiards. Während das Spiel in Deutschland bisher eher wenigen Sportfans geläufig ist, haben hochklassige Turniere - vor allem in Großbritannien - das Spiel zu einem echten Trend werden lassen. Die zunächst kompliziert erscheinenden Regeln sind bei genauer Betrachtung nicht einmal so schwer verständlich und sorgen für ansteigendes Interesse.

Wie Tennis oder Golf ist der Sport durch eine außerordentliche Fairness und Contenance geprägt. Dies zeigt sich nicht nur an der Kleidungsetikette mit Hemd, Weste und Fliege, sondern insbesondere am zurückhaltenden Verhalten, welches von den Spielern erwartet wird. Ganz im Sinne eines ehrenhaften und anständigen Wettkampfes ist es beispielsweise unerlässlich, dass Spieler, die ein Foul begehen, dieses selbst anzeigen. Ebenso ist es üblich, hervorragende Aktionen des Gegners anerkennend zu honorieren.

Gespielt wird auf beruhigendem Grün, was von Natur aus für eine entspannte Stimmung garantiert. Auf dem Spielfeld befinden sich der weiße Spielball, 15 rote und sechs weitere verschiedenfarbige Bälle. Die Kugeln haben unterschiedliche Punktwerte. Ein Spiel ist in mehrere Frames unterteilt, die einzelne abgeschlossene Spiele bilden. Zunächst werden im Wechsel die roten Kugeln und eine beliebige farbige Kugel versenkt. Die farbige Kugel wird nach dem erfolgreichen Versenken wieder auf dem Spielfeld platziert.

Sobald alle roten Kugeln eingelocht wurden, müssen zum Beenden eines Frames die Farben in der Reihenfolge Gelb, Grün, Braun, Blau, Pink und Schwarz erfolgreich gespielt werden. Den Frame gewinnt der Spieler mit den meisten erreichten Punkten. Den weißen Spielball legen die Kontrahenten dabei aus taktischen Gründen so ab, dass der Mitspieler bei seinem nächsten Stoß die Kugel nur schwer anspielen kann. Dieses Vorgehen nennt man „Snookern“, zu Deutsch „sperren".

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Alles im Blick: Die Regeln des Sports

Das grundlegende Prinzip des Sports wird durch eine Vielzahl von Regelungen eingegrenzt. Ein komplettes Match besteht gewöhnlich aus einer ungeraden Anzahl mehrerer Frames. Der Spieler, der als Erster mehr als die Hälfte dieser festgelegten Anzahl gewinnt, hat das gesamte Spiel gewonnen.

Kann eine Kugel nicht versenkt werden, so geht das Spielrecht an den Konkurrenten. Dieser erhält dann die Möglichkeit, Kugeln einzulochen und Punkte zu sammeln. Dabei muss er zunächst stets einen roten Ball anspielen. Sobald diese alle erfolgreich versenkt wurden, muss immer die Kugel versenkt werden, die den niedrigsten Punktwert aufweist.

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Bedeutende Snooker-Turniere weltweit

Regelmäßig treffen die professionellen Topspieler wie der aktuell Führende der Weltrangliste Judd Trump oder die Stars Mark Selby oder Ronnie O'Sullivan bei wichtigen Wettbewerben aufeinander. Das mit Abstand bedeutendste Turnier bildet dabei die Snookerweltmeisterschaft. Hier gibt es nicht nur die hoch dotierten Preisgelder zu gewinnen, auch das Standing auf der Weltrangliste wird bei einer erfolgreichen Teilnahme am stärksten beeinflusst. Zu den diesjährigen Favoriten der Weltmeisterschaft zählt erneut Judd Trump, der bei den Sportwetten deutlich führt und mit einer Quote von 3,75 (Stand: 13.7.) die Konkurrenz verblassen lässt. O'Sullivan und Selby folgen dem amtierenden Weltmeister jedoch auf den Fersen.

Ebenfalls traditionsreich und wichtig ist die UK Championship, die sich in Großbritannien bei den Zuschauern großer Beliebtheit erfreut und von den TV-Sendern regelmäßig übertragen wird. Am Ende der Saison findet alljährlich das Einladungsturnier Masters statt, an dem ausschließlich die besten 16 Spieler der Weltrangliste teilnehmen.

In Deutschland sind besonders zwei wichtige Wettbewerbe zu nennen. Zum einen das bekannte „Paul Hunter Classic“, das in Fürth zu Ehren des verstorbenen Profis Paul Hunter ausgerichtet wird. Dieser konnte 2004 als erster Sieger das Vorgängerturnier für sich entscheiden. Das Teilnehmerfeld des Einladungsturniers besteht aus 16 Spielern, welches sich aus Profis und Amateuren zusammensetzt.

Mit dem „German Masters“ in Berlin gibt es seit 2011 darüber hinaus ein großes Weltranglistenturnier in Deutschland. Preisgelder in Höhe von 400.000 Euro ziehen dabei die besten Spieler der Welt an, die sich am grünen Tisch vor bis zu 20.000 Zuschauern messen. Weitere Termine bietet die laufende „German Snooker Tour“, bei der sich Profis und Amateure messen. Bei den meisten Turnieren kann so jeder Spieler, selbst ohne Verein, teilnehmen.

Im Schatten erfolgreich

Der Erfolg des Sports gleicht dem Verhalten der Spieler. Zurückhaltung und Anerkennung braucht keinen riesigen Jubel oder grölende Fanscharen auf den Rängen. Fans uns Spieler halten sich an den Kodex, der Snooker ausmacht: Spielen und Fairness sind das Geheimrezept des Sports, der in 2020 noch einige Grand Prix und Wettbewerbe zu bieten hat. Weniger erfolgreich ist er damit keineswegs, denn im Gegensatz zu König Fußball, weiß Snooker wo die Stärken und Faszinationen liegen ohne sie mit Millionensummen in die Welt zu tragen.